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Offener Brief von Beppe Grillo an Ángel Gurría, Generalsekretär der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)

Sehr geehrter Herr Generalsekretär der OECD Ángel Gurría, alle Minute sterben fünf Menschen auf der Welt an COVID-19, weil sie nicht geimpft sind. Das private Eigentum der Impfstoffpatenten verhindert deren universelle Verbreitung.

Albert Sabin, Erfinder des wohl wirkungsvollsten Impfstoffs der Welt, schrieb vor fünfzig Jahren: “Viele Leute haben darauf bestanden, dass ich meinen Polio-Impfstoff patentieren lasse, aber das wollte ich nicht. Es ist mein Geschenk an alle Kinder der Welt. (…) Ein Virenspezialist hat die Pflicht, sein Wissen zum Wohle der Menschheit einzusetzen.”

Mit seinem Polio-Impfstoff hat Albert Sabin keine Reichtum für sich geschafft. Aber er hat Geschichte geschrieben.

Herr Gurría, auch Sie könnten Geschichte schreiben. Die 37 Länder der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, deren Vorsitzender Sie sind, gehören zu den reichsten der Welt. Zusammen erwirtschaften sie 63% des weltweiten BIP.

Herr Gurría, bitte, handeln Sie jetzt: fordern Sie die Staats- und Regierungschefs der 37 OECD-Länder auf, eine #HumanTa zu erheben, die an die Weltbank überwiesen wird, um die Patente aller wirksamen COVID-19-Impfstoffe zu erwerben. Alle Hindernisse, die eine möglichst breite Impfkampagne verhindern könnten, müssen beseitigt werden.

Die OECD, als Organisation der reichen Länder, sollte die COVID-19-Impfstoffpatente zum Marktpreis erwerben, um sie den ärmsten Ländern der Welt zu schenken.

Die COVID-19-Pandemie kann nicht beseitigt werden, indem nur die reichsten Bevölkerungen der Welt geimpft werden.

Wenn die ärmsten Länder zum Virus-Reservoir werden, wird die Gesundheit der Bevölkerung in der gesamten Weltwirtschaft erneut untergraben, und unsere derzeitigen Impfbemühungen sind dadurch gefährdet.

Private Konzerne existieren, um ihr eigenes Wohl zu fördern, nicht das Gemeinwohl. Richtig oder falsch, das ist Kapitalismus.

Allerdings Regierungen und Institutionen wie die OECD existieren stattdessen, um das Gemeinwohl zu fördern. Richtig oder falsch, das ist Demokratie.

Faire Steuern finanzieren das Gemeinwohl. Gerechte, progressive Steuern werden von Bürgern und Unternehmen entsprechend ihrer Zahlungsfähigkeit gezahlt, besonders in den schlimmsten Zeiten, wie bei Pandemien und Kriegen.

Angesichts der scheinbar unaufhaltsamen Tragödie der Pandemie ist es sowohl die wirtschaftlichste als auch die menschenwürdigste Antwort, wenn die Wohlhabenderen mehr zur Stabilisierung der Weltwirtschaft beitragen. Das liegt in ihrem eigenen Interesse.

In der Tat, Herr Gurría, der Kauf eines Feuerlöschers ist viel billiger als der Kauf eines Löschfahrzeugs. Die Feuerlöscher der globalen Pandemie sind heute die Impfstoffe. Wenn wir uns heute nicht um den Feuerlöscher kümmern, werden wir morgen das Feuerwehr brauchen.

Meiner Meinung nach könnte heute nichts effektiver sein als diese globale Virus-Initiative zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Entwicklung, die eigentliche Bedeutung des Wortes OECD.

Wer wird bei dieser Pandemie Geschichte machen? Wenn nicht Sie, Herr Gurría, wer dann? Wenn nicht jetzt, wann?

Beppe Grillo, 23. März 2021

Gründer der Fünf-Sterne-Bewegung, die führende Partei in der italienischen Koalitionsregierung von Premierminister Mario Draghi und im Parlament.

PS. Herr Gurría, erlauben Sie mir, Ihnen einen kurzen Blick auf meine Skizze zu Ehren von Albert Sabin und über Impfstoffe als Gemeingut zu empfehlen: “Einst gab es Wissenschaftler wie Albert Sabin. Sabin erfand den besten Polio-Impfstoff. Sie sagten zu ihm: “Sollen wir ihn patentieren lassen? Er könnte ein Milliardär werden. Er sagte: “Wie lange dauert es, ihn zu patentieren?” “Fünfzehn Tage.” “Einige Kinder könnten sterben, um Gottes Willen, spenden wir es der Menschheit.” Er starb letzten März (1993), wir haben es nicht einmal bemerkt. So behandeln wir einen Giganten der Medizin und der Geschichte.”

25. November 1993, auf der italienischen öffentlichen Fernsehen RAI Uno, um 21 Uhr, mit 13 Millionen Zuschauern.

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